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St. Ulrich

Regensburg

Dompfarreiengemeinschaft St. Emmeram - St. Ulrich

 

 

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Der folgende Artikel erschien 2009 im 413. Jahrgang des Straubinger Kalenders:

"Frauentragen" als Herbergsuche

von Paul Urlberger

Das "Frauentragen" hat sich von kleinsten Anfängen heraus prächtig entwickelt. Als Landvolkpfarrer fand ich den Brauch in der Amberger Gegend, wo ein Glashäuschen mit Maria, Josef und einem Esel als Herbergsuche von Haus zu Haus wanderte.

Ich suchte mir ein Marienbild, auf dem die hl. Frau ohne Kind dargestellt war. Das bot ich den Familien an, wenn sie eine "Herbergsuche" durchführen wollten. Dazu erstellten die Referentin des Katholischen Frauenbundes, Annemarie Mitterhofer, und ich einen passenden Text. Manche zogen dieses Bild auf Holz auf und erstellten auf diese Weise eine Art Ikone.

Bogenberger MadonnaIch wollte aber bald eine volle Figur für das "Frauentragen" finden, die man dann auf den Tisch stellen könnte. Nachdem die Suche nach einer holzgeschnitzten Figur an den Kosten scheiterte, fand ich im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg eine sehr schöne gotische Madonna ohne Kind. Diese ließen wir bei der Firma Ara-Kunst in Altrandsberg aus Steinmehl gießen, farblich fassen, und ich bestellte insgesamt über 80 von diesen Figuren für die Familien, die das "Frauentragen" durchführen wollten. Bei einem Präfekten im Straubinger Studienseminar entdeckte ich dann eine unansehnliche Kopie der romanischen "Bogenberger Madonna". Diese nahm ich mit zur Frau Albrecht von der AraKunst-Firma, und wir entwickelten miteinander die heute in so vielen Pfarreien eingeführte "Bogenberger Madonna".

Anfangs "stritten" wir uns um den Sitz des Kindes, das Maria unter ihrem Herzen trägt: Die Künstlerin wollte das Kind sehr tief ansetzen, weil sie sagte: "Was haben denn Sie als Mann(sbild) für eine Ahnung, wo so ein Kind in den letzten Tagen und Stunden vor der Geburt sitzt? Und ich sagte ihr: "Ich will eine ästhetisch schöne Madonna haben, die die Pfarreien gern annehmen; der Bauch muss also weiter herauf!" Als wir uns dann auf eine Mittellösung geeinigt hatten, begann der Siegeszug dieser "Bogenberger Madonna". 850mal haben wir sie inzwischen in die verschiedensten Pfarreien gebracht, wo sie heute beim wunderschönen Brauch des "Frauentragens" eingesetzt sind. In über 470 Pfarreien unseres Bistums wird mittlerweile die "Herbergsuche Unserer Lieben Frau", wie der Brauch auch genannt wird, durchgeführt.

In meiner früheren Seelsorgestelle in Ittling gehen jeden Advent 16 Figuren auf die Wanderschaft; sie werden beim Rorateamt am Vorabend des 1. Adentssonntags feierlich ausgesandt und in der Christmette ebenso feierlich zurückgenommen. Dabei erklingt meist eine der bekannten "Herbergsuchen".

Kuriose Vorfälle sind mir im Laufe der Jahre von diesem Brauch berichtet worden: In einem kleineren Dorf im Bayerischen Wald, einer Filiale, nahm der Pfarrer von dem Brauch, den die Leute einführen wollten, keine Notiz. Aber der Feuerwehrkommandant hat sich eine "Bogenbergerin" kommen lassen, und nun kümmert er sich um die Einsätze der Figur während der Adventszeit.

Ein Pfarrer jammerte mir vor, er wollte das "Frauentragen" auch einführen, aber niemand komme zu ihm, um sich für den Brauch anzumelden. Ich schlug ihm vor: "Schick doch eine oder zwei Frauen durch die Häuser deiner Pfarrei, die den Leuten die schöne 'Bogenbergerin' zeigen und sie zum Mitmachen einladen." Voll Freude berichtete er mir, dass sich nun auf Anhieb über 60 Familien für den Brauch haben eintragen lassen.

Da die begleitenden Texte nun schon 25 Jahre alt waren, brachte ich voriges Jahr eine neue Sammlung von schönen Gebeten und Liedern heraus, die nun den Familien zur Verfügung stehen und die man bei der Diözesanstelle der Katholischen Landvolkbewegung in Regensburg (Tel. 0941/597-2251) bestellen kann.

Den Text durften wir mit freundlicher Genehmigung des Straubinger Tagblattes / der Cl. Attenkofer'schen Buch- und Kunstdruckerei, Verlagsbuchhandlung, 94315 Straubing, dem Straubinger Kalender, Jahrgang 413 (2009), S. 43f. entnehmen. Dafür ganz herzlichen Dank an Frau Claudia Karl-Fischer!